Wirtschaftsnachrichten für Zahnärzte | DENTAL & WIRTSCHAFT
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Als Familienunternehmen in dritter Generation ist sich Dürr Dental seiner großen Verantwortung
für kommende Generationen bewusst. Nachhaltigkeit wurde als eines der strategischen Ziele definiert.
Nachhaltige Maßnahmen werden in den Bereichen Gebäude, Produktion, Mobilität sowie Produktentwicklung und -anwendung umgesetzt.

Herr Dürrstein, Nachhaltigkeit ist neben der KI gerade eines der Top-Themen. Welche Bedeutung hat das Thema für Dürr Dental?

Der Stellenwert ist sehr hoch, da wir als Premiumanbieter aus unserem Selbstverständnis heraus nicht nur für hohe Qualität stehen, sondern unsere Produkte dem Zahnarzt einen hohen Gesamtnutzen bringen
sollen. In unserem F&E-Prozess sind nicht nur die Leistungsdaten fest verankert, sondern auch die gesamtwirtschaftliche Betrachtung. Wir haben uns schon vor Jahren auf den Weg gemacht, nachhaltige
Ziele zu verfolgen. Auch wenn der Weg natürlich nie zu Ende ist, können wir heute mit Stolz sagen, dass wir bereits die ersten Früchte ernten. Deshalb können wir Dürr Dental heute schon als nachhaltiges
Unternehmen bezeichnen.

Welche nachhaltige Unternehmensstrategie verfolgen Sie?

CEO Martin Dürrstein von Dürr Dental ist sich seiner Verantwortung für kommende Generationen bewusst: „Dürr Dental Produkte sind langlebig und reparierbar – das ist unser Selbstverständnis.“ Foto: Dürr Dental

In der Charta der Nachhaltigkeit gibt es viele Punkte, die wir nicht anpassen mussten. Da geht es zum Beispiel um die Produktlebensdauer. Produkte sollen langlebig und reparierbar sein. Das ist für uns selbstverständlich – es gibt viele Produkte, die schon mehr als 20 Jahre in Praxen im Einsatz sind. Es war schon immer unser absolutes Unternehmensverständnis, dass unsere Produkte sehr gut reparierbar sein müssen. Mittlerweile wird auch sehr stark auf Energieeffizienz geachtet. Das geht – wie in anderen Branchen auch – mit einer aufwändigeren Herstellungstechnik einher, was sich leider auch in den Kosten niederschlägt. Man muss aber auch zwischen verschiedenen Ansatzpunkten für Nachhaltigkeit unterscheiden: Am Anfang stehen die Infrastruktur und der Produktionsprozess, aber der größte Hebel ist das Produkt selbst. Wenn dieses 10 bis 20 Jahre beim Zahnarzt eingesetzt wird – störungsarm, reparierbar und energieeffizient –, dann treten die ersten zwei Punkte in den Hintergrund. Während des Lebenszyklus ist die Energieeffizienz am größten. Dennoch betrachten wir unsere Prozesse, Produkte und unser ganzes Handeln ganzheitlich. Wir wollen keine Zertifikate kaufen, sondern haben uns aus Überzeugung dafür entschieden, alle möglichen Maßnahmen zu ergreifen, um nachhaltig zu sein. Es war kein gesellschaftlicher Druck, der dazu geführt hat, sondern allein unser Selbstverständnis.

Wie wirkt sich diese Philosophie der Nachhaltigkeit auf die Produktion aus?

Wir sind nicht nur bestrebt, unseren Kunden nachhaltige Produkte anzubieten, sondern wir haben uns auch dafür entschieden, dass wir vorwiegend auf Lieferanten setzen, die aus einem Umkreis von maximal 100 km stammen. Ein weiteres Thema, das auf unser Konto einzahlt: Verpackungsmaterial muss gut recyclebar sein, deshalb haben wir bei vielen Produkten auf Pendelverpackung umgestellt. Das funktioniert natürlich nur, wenn es in der Nähe ist. Wir versuchen insgesamt viele gute und richtige Entscheidungen zu treffen.

Hat Ihre Nachhaltigkeitsstrategie auch Auswirkungen auf aktuelle neue Produkte?

Zu 100%, aber der Hebel ist natürlich nicht bei allen Produkten gleich. Ein sehr schönes Beispiel ist für mich unser Tyscor Saugsystem, eine bedarfsorientierte Absaugung. Das Fraunhofer Institut hat nach
eigenen Tests Energieersparungen bis zu 75% bestätigt. Nachhaltigkeit hat im Fall der Absaugung auch damit zu tun, dass Produkte nicht weggeworfen werden müssen. Plant eine Zahnarztpraxis die Erweiterung der Behandlungszimmer von drei auf fünf, reicht der Druck der vorhandenen Absaugung nicht mehr aus – die alte muss entsorgt und eine neue angeschafft werden. Bei der Tyscor-Lösung kann ein zweites Gerät im Master-Slave-Modus bestellt werden. Es wird also nichts ausgetauscht oder weggeworfen, sondern das System erweitert. Positiver Nebeneffekt ist, dass bei einem Reparaturfall nicht die ganze Praxis stillsteht, da noch eine Absaugung vorhanden ist. Hier zeigt sich für mich, dass Nachhaltigkeit auch hoch innovativ und super sinnvoll sein kann.

Seit Anfang 2023 ist Ihre Produktionsstätte in Gechingen CO2-neutral. Wie haben Sie dies erreicht?

Unser Ziel ist es, dass eines Tages alle unsere Gebäude CO2-neutral sind. In Gechingen, wo unsere bildgebenden Systeme hergestellt werden, ist dies vorbildlich bzw. erstmals umgesetzt worden. Wir haben von einer Ölheizung auf eine Pelletheizung umgestellt. Die Dachflächen sind komplett mit Photovoltaik belegt, die bestehenden Gebäude wurden energetisch saniert. Das alles hat dazu geführt, dass wir CO2-neutral sind. Wir freuen uns, dass wir dieses Konzept auch auf unsere anderen Gebäude ausdehnen können. Wir sind auf dem Weg, aber noch nicht am Ziel.

Was hat sich in den letzten Jahren im Bereich Mobilität und technische Ausstattung verändert?

Wir haben natürlich Job-Bikes und bieten unseren Mitarbeitern die Möglichkeit, ihre Fahrräder während der Arbeit aufzuladen. Wir haben auch vereinzelt Elektroautos, aber das hängt von der Aufgabe des jeweiligen Autos ab. Bei Vielfahrern ist derzeit noch ein Dieselmotor sinnvoller. Insgesamt werden viele Termine durch Teams-Meetings ersetzt. Sie sehen, wir machen nicht alles, was möglich ist, sondern nur das, was Sinn macht. Das strahlt in alle Bereiche aus und macht uns zu einem attraktiven Arbeitgeber. Bei Kununu gehören wir zu den Top-Arbeitgebern im Bereich Medizintechnik in ganz Deutschland. Wir haben dafür den Company Award bekommen. Unsere Kunden und Mitarbeiter schätzen es sehr, dass wir ganzheitlich agieren.

Woher kommt Ihr Strom?

Derzeit beziehen wir Grünen Strom bei der Deutschen Bundesbahn. Langfristig wollen wir den größten Teil durch Photovoltaik selbst produzieren.

Wo viel produziert wird und viele Menschen arbeiten, entsteht viel Müll. Wie ist das Abfallmanagement bei Dürr Dental geregelt?

Ich glaube, wir müssen unterscheiden: Phase 1 ist für uns nicht, wie wir Abfall entsorgen, sondern wie wir Abfall vermeiden. Da haben wir durch die längeren Produktlebenszyklen schon einen klaren Vorteil. Insgesamt fällt bei uns durch die bereits erwähnten Pendelverpackungen und die lokale Beschaffung weniger Müll an. Wir versuchen Müll zu vermeiden und nicht nur sinnvoll zu entsorgen.

Sicherlich nehmen Sie Ihre Mitarbeiter mit auf diesem nachhaltigen Weg. Wie kommt das an?

Es ist grundsätzlich sinnvoll, den Mitarbeitern zu erklären, warum wir etwas tun. Bei Mitarbeiterversammlungen oder -festen geben wir Updates. So sind alle gut informiert und sie schätzen das sehr. Wir sehen die offene Kommunikation als eine Art Mitarbeiterbindung, denn eine starke Arbeitgebermarke ist in Zeiten des Fachkräftemangels sehr wichtig.

Dürr Dental ist auch für sein soziales Engagement bekannt. Was ist Ihre Motivation?

Wir sehen „social responsibility“ als eine weitere Art von Nachhaltigkeit. Wir haben schon in über 150 Länder Produkte geliefert. In Afrika gibt es fast keine zahnmedizinische Versorgung. Wir wollen diesen Menschen helfen und unterstützen deshalb seit Jahren „Mercy Ships“. Die Organisation bringt mit Hospitalschiffen Hoffnung und Heilung zu den Ärmsten der Armen. Mehr Infos zu Mercy Ships gibt es unter www.mercyships.de.

Wie reagieren die Kunden auf Ihr Engagement?

Das ist sicher nicht jedem so bewusst, wird aber positiv wahrgenommen. Unsere Kunden wollen „Made in Germany“. Der Zahnarzt hat die Gewissheit, dass unsere Produkte hocheffizient, umweltfreundlich und ressourcenschonend sind.

Wie Sie Ihre Zahnarztpraxis nachhaltiger machen könnten, lesen Sie in diesem Beitrag:
Nachhaltigkeit in der Zahnarztpraxis? Das können Sie tun

Das Interview führte Carmen Bornfleth.

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