Die häufigsten Gründe für Zahnschmerzen - und warum man besser auf die Behandlung mit Hausmitteln verzichtet
Marzena SickingZahnschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden in der Zahnmedizin. Sie entstehen durch Entzündungen, Infektionen oder mechanische Schäden an den Zähnen. Während Karies, Parodontitis und Zahnabszesse die Hauptauslöser sind, können auch Stress oder eine Nasennebenhöhlenentzündung schuld sein. Hausmittel lindern oft nur kurzzeitig – die Ursache bleibt jedoch bestehen.
Zahnschmerzen sind in der Regel eine große Belastung für Betroffene. Sie können als dumpfer oder pochender Schmerz auftreten, permanent, nur bei Kontakt oder schubweise vorkommen, sich über die Zeit verstärken oder wie aus dem Nichts auftreten.
Warum schmerzen Zähne überhaupt?
Anders als vielfach angenommen, sind Zähne keine „tote Materie“. Vereinfacht ausgedrückt, ist der Zahn von Blutgefäßen und empfindlichen Nervenfasern durchzogen, die auf Reize reagieren. Zahnbein und Zahnschmelz sollen sie eigentlich schützen. Ein gesunder Zahn scheint also unempfindlich zu sein. Ist die Barriere jedoch gestört oder gelangen Reizstoffe oder Bakterien in das Innere des Zahns, kann es zu Zahnschmerzen kommen.
Kommt es zu Problemen, versuchen viele Patienten es zunächst mit einer Selbstbehandlung mit Hausmitteln und hoffen, dass der Schmerz von selbst wieder verschwindet. Doch das ist keine gute Strategie: Wer unter akuten Zahnschmerzen leidet, sollte in jedem Fall bei seinem Zahnarzt bzw. Zahnärztin vorstellig werden und nicht nur die Schmerzen, sondern auch deren Ursache behandeln lassen.
Welche Erkrankungen lösen Zahnschmerzen aus?
Karies | Schmerzen bei Süßem, Heißem, Kaltem, sichtbare Löcher | Füllung, Wurzelbehandlung |
Parodontitis | Zahnfleischbluten, Schmerzen, lockere Zähne | Zahnreinigung, Antibiotika |
Pulpitis | Pulsierende Schmerzen, Empfindlichkeit | Wurzelkanalbehandlung |
Zahnabszess | Starke Schmerzen, Schwellung, Eiterbildung | Drainage, Antibiotika |
Zahnfraktur | Schmerzen beim Kauen, scharfe Kanten | Zahnrekonstruktion |
Weisheitszahndurchbruch | Druckgefühl, Schmerzen im Kiefer | Zahnextraktion |
Sinusitis | Schmerzen in den oberen Backenzähnen | Behandlung der Nasennebenhöhlen |
Trigeminusneuralgie | Blitzartige Schmerzen | Medikamente, ggf. OP |
Zähneknirschen | Schmerzen am Morgen, verspannte Kaumuskulatur | Knirschschiene |
Karies, oder Zahnfäule, ist eine der häufigsten Ursachen für Zahnschmerzen. Sie entsteht durch bakterielle Zersetzung von Zucker und Stärke aus der Nahrung, was zur Bildung von Säuren führt. Diese Säuren greifen den Zahnschmelz an und verursachen Löcher in den Zähnen. Hierüber dringen Speisereste und Bakterien in das Innere des Zahns und richten weiteren Schaden an. Ohne rechtzeitige Behandlung kann Karies das Zahnbein (Dentin) und das Zahnmark (Pulpa) erreichen, was zu intensiven Schmerzen führt. Häufig wird die Erkrankung von weiteren Problemen wie Entzündungen des Zahnfleisches begleitet. Typisch für diese Erkrankung sind Symptome wie die Empfindlichkeit auf Temperaturschwankungen sowie Süßes und Saures.
Parodontitis, eine fortgeschrittene Form der Zahnfleischentzündung (Gingivitis), kann ebenfalls starke Zahnschmerzen verursachen. Sie entsteht durch die Ansammlung von Plaque und Zahnstein, die das Zahnfleisch und die darunterliegenden Strukturen entzünden und schädigen. Häufig geht die Erkrankung auch mit freiliegenden Zahnhälsen einher. Ohne Behandlung kann Parodontitis zu Zahnverlust führen und auch den Kieferknochen angreifen. Sie sollte also unbedingt fachmännisch behandelt werden. Typischerweise äußert sich die Paradontitis durch einen dumpfen Schmerz im Kiefer.
Pulpitis ist eine Entzündung der Zahnwurzel bzw. des Zahnmarks, die durch tiefe Karies, Traumata oder in Einzelfällen auch durch wiederholte zahnärztliche Eingriffe verursacht werden kann. Die Entzündung kann den Zahnnerv schädigen und kann reversibel oder irreversibel sein. Bei irreversibler Pulpitis sind die Schmerzen oft scharf und spontan, und der Zahn reagiert extrem empfindlich auf Temperaturveränderungen, man hat also sehr empfindliche Zähne. Das typische Symptom dieser Erkrankung sind pulsierende Zahnschmerzen. Wird die Zahnwurzelentzündung nicht behandelt, kann sie zum Absterben des Nervs führen und den Kieferknochen (apikale Ostitis) angreifen.
Ein Zahnabszess ist eine Ansammlung von Eiter, die durch eine bakterielle Infektion verursacht wird und zu starken, akuten Zahnschmerzen führen kann. Diese Infektion kann sich von einem kariösen Zahn oder einer Parodontalerkrankung ausbreiten und zu starken, pochenden Schmerzen führen. Weitere Symptome können Fieber, geschwollene Lymphknoten und ein unangenehmer Geschmack im Mund sein. Manchmal wird der Abszess auch durch eine „dicke Backe“ nach Außen sichtbar. Schmerzmittel bringen zumindest eine vorübergehende Linderung. Nach erfolgreicher Behandlung verschwindet der Schmerz in der Regel vollständig.
Ein (ab)gebrochener Zahn kann starke Schmerzen verursachen, besonders wenn der Bruch das Zahnmark freilegt. Zahnfrakturen können durch Unfälle, Kauen auf harten Gegenständen oder Zähneknirschen (Bruxismus) entstehen. Die Schmerzintensität hängt von der Tiefe und Lage des Bruchs ab.
Die Durchbruchsschmerzen von Weisheitszähnen sind eine häufige Ursache für starke Zahnschmerzen bei Kindern oder jungen Erwachsenen. Weisheitszähne, die teilweise oder vollständig im Kieferknochen eingeschlossen sind, können ebenfalls Druck auf benachbarte Zähne ausüben und Entzündungen des umliegenden Gewebes und Zahnfleisches verursachen. Auch das kann zu starkem Zahnschmerz führen.
Eine Sinusitis, oder Nasennebenhöhlenentzündung, kann Zahnschmerzen verursachen, die oft im oberen Zahnbereich lokalisiert sind. Diese Schmerzen entstehen durch den Druck in den entzündeten Nebenhöhlen, der auf die Zahnwurzeln übertragen wird. Entzündungshemmende Schmerzmittel kommen zur Linderung bei Betroffenen häufig zum Einsatz.
Die Trigeminusneuralgie ist eine neurologische Erkrankung, die starke, schmerzhafte Reize im Gesicht verursacht, einschließlich der Zähne. Die Schmerzen sind oft blitzartig und werden durch Berührung, Kauen oder Sprechen ausgelöst.
Wer unter Stress leidet, neigt nachts zum Zähneknirschen bzw. starken Zahnpressen. Diese Bewegung kann zu Verkrampfungen in der Kiefermuskulatur sowie zu Schäden an den Zähnen führen, die sich durch entsprechenden Schmerz äußern. Manchmal wird durch den Druck auch der Zahnschmelz abgesplittert. Liegen die Zahnhälse frei, verursacht das ebenfalls Schmerzen. Hier kann eine sogenannte Knirschschiene Abhilfe schaffen.
Bei Kindern ist natürlich auch der Zahndurchbruchund der Zahnwechsel ein häufiger Grund für Zahnschmerzen.
Warum ist Karies so schmerzhaft?
Karies, umgangssprachlich als Zahnfäule bekannt, beginnt mit der Ansammlung von bakteriellen Belägen auf der Zahnoberfläche, die Zucker aus der Nahrung in Säuren umwandeln. Diese Säuren greifen den Zahnschmelz an und führen zur Bildung von Läsionen. Unbehandelt dringt die Karies tiefer in das Zahnbein (Dentin) vor, das von feinen Kanälchen durchzogen ist, die direkt zum Zahnmark (Pulpa) führen. Sobald die Bakterien diese empfindlichen Bereiche erreichen, entzündet sich das Zahnmark, was zu intensiven, oft pulsierenden Schmerzen führt. Dieser Schmerz resultiert aus der Reizung der Nervenfasern im Zahninneren durch die bakteriellen Toxine und den erhöhten Druck aufgrund der Entzündung. Daher ist es essenziell, bereits erste Anzeichen von Karies ernst zu nehmen und frühzeitig zahnärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, um schwerwiegendere Komplikationen zu vermeiden.
Was steckt hinter pulsierenden Zahnschmerzen?
Pulsierende Zahnschmerzen deuten meist auf entzündliche Prozesse im Zahninneren hin. Häufig liegt die Ursache in einer Pulpitis, einer Entzündung des Zahnmarks (Pulpa), die durch tiefe Karies, Zahntraumata oder thermische Reize ausgelöst wird. Die begrenzte anatomische Ausdehnung der Pulpa verhindert ein Ausweichen des entzündlichen Gewebes, was zu einem intradentalen Druckanstieg führt. Dies reizt die afferenten Nervenfasern und resultiert in dem typischen pochenden Schmerz. In fortgeschrittenen Stadien kann die Entzündung nekrotisieren und sich auf periapikale Gewebe oder den Kieferknochen ausbreiten, was zu einer apikalen Ostitis oder Abszessbildung führt.
Wann entsteht ein Zahnabszess?
Ein Zahnabszess entsteht durch eine bakterielle Infektion, die zu einer Eiteransammlung im Zahn oder umliegenden Gewebe führt. Häufige Ursachen sind unbehandelte Karies, die das Zahnmark infiziert, oder Parodontitis, bei der sich Bakterien in tiefen Zahnfleischtaschen ansiedeln. Auch Zahnverletzungen oder Risse können Bakterien den Eintritt erleichtern und einen Abszess verursachen. Risikofaktoren wie unzureichende Mundhygiene oder ein geschwächtes Immunsystem erhöhen die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung eines Zahnabszesses.
Warum verursacht eine Nasennebenhöhlenentzündung Zahnschmerzen?
Eine Nasennebenhöhlenentzündung, insbesondere der Kieferhöhlen (Sinusitis maxillaris), kann Zahnschmerzen verursachen. Die Kieferhöhlen liegen direkt über den Wurzeln der oberen Backenzähne. Bei einer Entzündung schwillt die Schleimhaut an und es sammelt sich Sekret an, was zu erhöhtem Druck in der Kieferhöhle führt. Dieser Druck kann auf die nahegelegenen Zahnwurzeln übertragen werden, was als Zahnschmerz im Oberkiefer wahrgenommen wird. Die Schmerzen verstärken sich oft beim Vornüberbeugen des Kopfes. In einigen Fällen kann eine Entzündung der Zahnwurzeln selbst eine Kieferhöhlenentzündung auslösen, da die Wurzeln der oberen Backenzähne nahe an oder sogar in die Kieferhöhle ragen.
Trigeminusneuralgie: Wenn Nervenblitze einschlagen
Die Trigeminusneuralgie ist eine neurologische Erkrankung, die durch plötzlich einschießende, heftige Gesichtsschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Schmerzen werden oft als „elektrisierend“ beschrieben und treten meist einseitig auf. Ursache ist häufig der Kontakt eines Blutgefäßes mit dem Trigeminusnerv im Bereich seines Austritts aus dem Hirnstamm, was zu einer Reizung des Nervs führt. Auslöser für die Schmerzattacken können alltägliche Aktivitäten wie Sprechen, Kauen oder sogar leichte Berührungen des Gesichts sein. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine neurologische Untersuchung und bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT), um andere Ursachen auszuschließen. Therapeutisch kommen zunächst medikamentöse Ansätze zum Einsatz; bei unzureichender Wirkung können auch operative Verfahren in Betracht gezogen werden.
Warum sind Hausmittel gegen Zahnschmerzen problematisch?
Hausmittel gegen Zahnschmerzen sollen vielen Ratgebern zufolge schnelle Linderung bei Zahnschmerzen verschaffen, jedoch bergen sie gesundheitliche auch Risiken. Während beispielsweise Salzwasserspülungen oder das Auftragen von Nelkenöl entzündungshemmend wirken können, Selbst wenn sie wirklich wirken, behandeln sie lediglich die Symptome und nicht die zugrunde liegende Ursache der Schmerzen. Dies kann dazu führen, dass ernsthafte zahnmedizinische Probleme, wie Karies oder Infektionen, unbehandelt bleiben und sich verschlimmern. Zudem besteht die Gefahr, dass durch unsachgemäße Anwendung von Hausmitteln, wie konzentrierten ätherischen Ölen, Schleimhautreizungen oder allergische Reaktionen auftreten. Schlimmstenfalls kommt so zur Zahnproblematik noch eine weitere gesundheitliche Baustelle dazu. Daher sollte besser auf solche Hausmittel verzichtet werden, maximal sind sie als vorübergehende Maßnahme zu sehen, bis eine professionelle zahnärztliche Behandlung erfolgen kann.
Zahnschmerzen – was tun?
Bei akuten Zahnschmerzen ist es wichtig, schnell zu handeln, um weitere Komplikationen zu vermeiden. Hier sind einige Schritte, die betroffene Patienten unternehmen können:
Zahnarzttermin vereinbaren: Das Wichtigste zuerst! Suchen Sie so schnell wie möglich einen Zahnarzt auf, um die Ursache der Schmerzen professionell abklären und behandeln zu lassen.
Schmerzmittel einnehmen: Zur kurzfristigen Linderung können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol eingenommen werden. Beachten Sie dabei die empfohlene Dosierung und mögliche Nebenwirkungen
Kühlung: Legen Sie einen in ein Tuch gewickelten Eisbeutel auf die betroffene Wange, um Schwellungen zu reduzieren und Schmerzen zu lindern. In vielen Fällen hilft das zumindest vorübergehend ein wenig.
Mundhygiene aufrechterhalten: Trotz Schmerzen sollten Sie weiterhin Ihre Zähne putzen und Zahnseide verwenden, um weitere Infektionen zu verhindern.
Bitte beachten Sie, dass diese Maßnahmen nur zur vorübergehenden Linderung dienen. Eine zahnärztliche Untersuchung ist unerlässlich, um die genaue Ursache der Zahnschmerzen zu identifizieren und entsprechend zu behandeln.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Zahnschmerzen
Hier finden Sie weitere, häufig gestellte Fragen und Antworten zum Thema Zahnschmerzen
Was tun bei Zahnschmerzen nachts?
Kühle Umschläge, Schmerzmittel wie Ibuprofen und eine aufrechte Schlafposition können helfen. Ein Zahnarztbesuch sollte jedoch am nächsten Tag erfolgen.
Welche Schmerzmittel helfen bei Zahnschmerzen?
Ibuprofen oder Paracetamol sind gängige Mittel, sollten jedoch nicht ohne Absprache mit PRaxis oder Apotheke eingenommen werden. Aspirin wird ebenfalls häufig eingesetzt, kann die Blutgerinnung beeinflussen und sollte insbesondere vor geplanten Behandlungen vermieden werden.
Wie lange dauert Zahnschmerz nach einer Füllung?
Leichte Schmerzen sind bis zu zwei Wochen normal. Anhaltende oder zunehmende Schmerzen erfordern eine Nachkontrolle.
Warum schmerzen Zähne bei Kälte?
Freiliegende Zahnhälse, Karies oder defekte Füllungen können die Ursache sein. Eine Fluoridbehandlung oder spezielle Zahnpasta kann helfen.
Wann sollte man mit Zahnschmerzen zum Zahnarzt?
Bei starken, langanhaltenden oder plötzlich auftretenden Schmerzen, Fieber oder Schwellungen sollte zeitnah ein Zahnarzt aufgesucht werden.